frühlingsbeginn
weißen ich
schneen
frier beißen
finger
fußen eis
rutschen
nasen ich
tropf-tropf
Wie es der
Lyriker Ernst Jandl hier dichtet, mag es in den letzten Wochen Vielen ergangen
sein. Der Winter war lang, die Menschen rutschten, schlitterten, glitten aus,
die Finger froren, der Schneematsch durchnässte die Füße, die
Streusplittsteinchen verhakten sich in Schuhen und Socken, zerkratzten den
Dielenboden und klebten sogar an den nackten Füßen, die Nasen tropften, manch
Zähne knirschten. Dieser Winter hat viele ganz schön gebeutelt.
Doch mitten in
der Fastenzeit scheint es wieder auf, das Licht. Die langen Winterwochen sind
schon hier und da durchbrochen durch einen Sonnenstrahl, durch Wärme, durch den
hellen Schein.
Was hilft uns
eigentlich, die kalten, düsteren Tage zu erleben und was ist es, was unser
Leben wärmt und nährt?
Vielleicht kennt
ihr ja die Geschichte von der Maus Frederic, die im Sommer, während die anderen
Mäuse fleißig Körner für den Winter sammeln, in der Sonne liegt und träumt. Und
als die anderen fragen, was sie dort täte, antwortet die Maus: „Ich sammle
Farben!“. Doch dann kommt der Winter, die Mäuse leben zurückgezogen in ihrer
Höhle und zehren von ihren Vorräten. Aber der Winter dauert lange und die
Vorräte sind bald aufgebraucht. Und hungrig fragen die Mäuse: „Frederic, was
ist eigentlich mit deinen Vorräten, die du gesammelt hast?“ Und Frederic steigt
auf einen Stein, schließt die Augen und beginnt, von den Farben, der Liebe und
der Poesie des Lebens zu erzählen, die er im Sommer in sich aufgenommen hatte.
Und das Erstaunliche geschieht, dass nämlich all das, von dem Frederic zu
erzählen und berichten wusste, die Mäuse satt, froh und glücklich macht.
Liebe ist stark
wie der Tod. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn, so dass auch viele
Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. (Hld
8,6f.) Auf diese flammende Liebe Gottes strebt im Frühling alles hin: auf
Ostern, auf den Tag, an dem wir diese Liebe Gottes feiern. Vorerst ist Winter.
Doch wir werden der Boten des strebenden Frühjahrs schon hier und da gewahr.
Das Ende des Winters kündigt sich an, auch wenn die Nasen oft noch tropfen und
die Kälte in den Fingern beißt. Erst der Winter, die lange Kälteperiode, lässt
uns den Wechsel der Jahreszeiten deutlich erleben. Die Freude auf den Frühling kann uns an den Schöpfer erinnern, der uns
Jahreslauf und Zeit, Winter und Frühling, Kälte und Wärme, Helles und Dunkles,
Tod und Leben spüren lässt. Oder wie es in dem Frühlingslied heißt:
Was nah ist und
was ferne, von Gott kommt alles her,
der Strohhalm
und die Sterne, der Sperling und das Meer.
Von ihm sind
Büsch und Blätter und Korn und Obst von ihm,
das schöne
Frühlingswetter und Schnee und Ungestüm.
Alles kommt her
von Gott, seine Schöpfung, seine Liebe meint es gut mit uns.
Sie macht das
Dunkel hell und Schnee und Eis zu Wärme und Licht. Seine Liebe lässt uns alle Winter
überstehen, die Liebe, von der der Apostel Paulus sagt, dass sie die größte sei
von den Lebenskräften, die uns bleiben. (1.Kor 13,13)