„Lass dich
nicht vom Bösen überwinden,
sondern überwinde das Böse mit dem Guten.“
Röm12, 21
Die
diesjährige Losung hat es in
sich. Die gewichtigen Worte des Verses machen mir ein schlechtes
Gewissen und
regen mich jedes Mal aufs Neue an, über mein Verhalten und das
meiner Mitmenschen
nachzudenken. Vielleicht geht es euch genauso. Denn der Vers fordert
sehr viel
von uns – an jedem Tag und in jeder Beziehung.
Das Böse,
wie Paulus es meint, ist heute genauso aktuell wie damals in Korinth.
Liest man
die vorhergehenden Verse des Kapitels wird deutlich, wie das
Böse zu verstehen
ist. Das Böse ist Unzufriedenheit, Rachsucht, Egoismus, Neid
und
Missgunst. Schon
Kain hatte mit diesen
Eigenschaften zu kämpfen und mir scheint, dass gerade in
unserer Zeit viele
Menschen diese Begriffe zu ihren Lebenseinstellungen gemacht haben. Die
Gaben
und Begabungen Anderer ärgern uns. Voller Neid denken wir:
„Warum kann ich das
nicht?“ oder „Warum habe ich nie so viel
Glück?“. Immer höher, immer mehr
scheinen wir zu wollen und bleiben dabei stets unzufrieden. Um ein großes
Ziel zu erreichen werden wir
oft – bewusst oder unbewusst –
gleichgültig und egoistisch.
Aber gerade als Christen müssen wir dagegen handeln
– das Böse mit dem Guten
überwinden: sich für Andere freuen, auf
Schwächere achten und warten,
verzeihen, gnädig sein und bereit einander zu helfen
– auf diese Weise sollten
wir leben. Doch das
ist leichter gesagt
als getan. Deshalb beten wir auch: „Und führe uns
nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Bösen.“ Mit Gottes Hilfe
und Kraft und wenn wir nach seiner
Botschaft leben, können wir es schaffen, das Böse mit
dem Guten zu überwinden.
Und dennoch wird es sicher schwer und vielleicht gelingen uns auch nur
kleine Schritte.
Aber auch diese können die Welt verändern.
Zwei Wölfe
Ein alter Indianer saß mit seinem
Enkel am Lagerfeuer. Es war
schon dunkel geworden, das Feuer knackte, die Flammen
züngelten zum Himmel.
Der Alte sagt nach einer Weile des Schweigens:
„Weißt du, wie ich mich manchmal
fühle? Es ist, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen
miteinander kämpfen würden.
Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der
andere ist
liebevoll, sanft und mitfühlend.“
„Welcher
der beiden wird den
Kampf in deinem herzen gewinnen?“,
fragte der Junge.
Bedächtig antwortete der Alte:
„Der, den ich füttere.“
Indianische Weisheit